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Selbstverteidigung Kampfsport, Kampfkunst, Erding, Rosenheim , Wing Tsun, Kung Fu, Kampf

3. Theoretischer Hintergrund

 

3. l Warum kommen die Teilnehmer zu mir

 

Die Beantwortung dieser Frage überschneidet sich mit der Frage, warum jemand überhaupt Kampfkunst erlernen will. Ich möchte hier eine Unterteilung in vier Gruppen vorschlagen.

 

3. l. l Kampfkunst, als Sport.

Gerade japanische und koreanische Methoden der Selbstverteidigung für für ihr Ausmaß der Körperertüchtigung berühmt. Westliche Sportarten betreiben oft nur eine einseitige Art der Körperertüchtigung. Fußballspielen trainiert nur die Beine, Boxen nur die Arme, Tennis sogar nur einen Arm. Verallgemeinernd kann man sagen, daß bei den Sportarten, die ja nur auf den Wettkampf ausgerichtet sind, immer nur ein Faktor der körperlichen Fähigkeiten verstärkt trainiert werden. Als körperliche Grundfertigkeiten in diesem Zusammenhang betrachte ich: Kraft, Kurz- und Langzeitausdauer, Beweglichkeit, Schnelligkeit, Motorik.

 

Die Gymnastik, die in diesen Schulen immer dem eigentlichen Kampftraining vorausgestellt wird, ist am ehesten dem Aerobic vergleichbar, obwohl sie wesentlich älter ist. Viele Kampfkunstlehrer sind der Meinung, daß die Aerobicübungen direkt aus der Kampfkunstgymnastik stammen und sich nur durch die Beigabe von Musik von ihr unterscheiden. Historisch läßt sich das leicht belegen. In der Trainingsintensität läßt sich nur die schwerste Stufe für Fortgeschrittene mit einer normalen Kampfkunstgymnastik vergleichen. Trotz der sportmedizinischen Fragwürdigkeit einiger Übungen ist das Resultat dieser Gymnastik eine rundherum hervorragende körperliche Verfassung. Als Beispiel möchte ich erwähnen, daß auf einer Sportartikelmesse 1988 in Nürnberg ein Wettbewerb veranstaltet wurde, bei dem mit einer Maschine die Anzahl der Wiederholungen einer bestimmten Bauchmuskelübung gezählt wurde. Sieger waren mit großen Abstand auf die nächsten zwei Karateschüler.

 

Durch das oft extrem autoritäre Verhalten der Lehrer wird bei der Gymnastik eigene Bequemlichkeit nicht zugelassen und bis an die Grenze der Leistungsfähigkeit gegangen. Wer in der Lage ist, dies durchzustehen, erzielt tatächlich eine hervorragende körperliche Verfassung.

Schüler werden oft, bis an den Rand psychischer Erschöpfung geschlaucht. " (3) Ausfallerscheinungen werden oft mit körperlichen Sanktionen geahndet. (4)

 

3.1.2 Kampfkunst als Selbstverteidigung

Kampfkunst als Methode der Selbstverteidigung ist wohl für die meisten Schüler der Anlaß, eine solche Schule zu besuchen. Obwohl körperliche Gewalt gesellschaftlich geächtet ist, gibt es doch gerade in der Kindheit und Jugend viele Situationen, in denen man körperlicher Gewalt ausgesetzt ist, und sich sehnlichst wünscht, den anderen besiegen zu können. Gerade soziale Außenseiter sind davon oft betroffen.

 

Durch die Medien, in denen Gewalt als alltäglich dargestellt wird, wird auch der Ausweg aus dieser Situation gezeigt. Kampfkunst als Mittel, sich erfolgreich zur Wehr zu setzen. Die Beispiele hierfür sind Legion.

In dem sehr erfolgreichen Film ^Karate-Kid" (in allen Videotheken erhältlich), der mittlerweile in der dritten Fortsetzung läuft, wird gezeigt, wie man durch großes Können im Karate sich gegen gemeine und bösartige Mitschüler zur Wehr setzen kann.

 

3. l. 3 Kampfkunst als Methode stark zu werden

"Karate hat bereits in der ganzen Weit die Herzen der jungen Menschen erobert. Diese Menschen haben sich dem Karate zugewendet, in der Hoffnung, einen Traum zu verwirklichen, den alle Menschen -zumindest alle Männer - mit ihnen teilen: den Wunsch, stark zu sein." (5) Stärke ist mehr als Kraft und die Fähigkeit einen anderen zu besiegen. Stärke bedeutet auch, von anderen bewundert zu werden.Stärke ist auch Durchsetzungsvermögen in allen möglichen Situationen, auch im Beruf oder bei noch nicht tätlichen Streitigkeiten. Stärke ist auch das Ertragen von Schmerzen. Stärke in diesem Sinn beinhaltet hohe Widerstandskraft gegen jede Art von Leiden und ein sich Zurechtfinden auch in schwierigen Lagen. Im Film "Karate-Kid" ist der Lehrer des Helden nur Hausmeister und doch zufrieden und absoluter Herr seines Schicksals.

 

"Wir lernen Taekwon-Do, um unsere Körper und unseren Geist zu schulen. Um stärker in der Liebe zu unserem Land und in der Liebe zu Gerechtigkeit und Recht zu werden. Wir müssen den Menschen nicht beweisen, wie stark wir sind - unser Ziel ist es immer, noch stärker zu werden. Und wenn wir stark werden, sollten wir bescheiden leben und unsere Macht darauf verwenden, den Schwachen zu helfen. Um Meister der Gerechtigkeit zu werden, muß unser Geist unbesiegbar sein und das sollten wir nie vergessen. (6)

 

3.1.4 Kampfkunst als esoterische östliche Methode

Der Sammelbegriff, unter dem die fernöstlichen Kampfkünste bei uns im Westen gehandelt werden, lautet Budo, der diese Künste Praktizierende nennt sich Budoka. Budo ist der Weg des Kriegers und er umfaßt im eigentlichen Sinne alle Kampfkünste Japans. Dennoch fallen im Westen auch andere asiatische Kampfmethoden unter diesem Namen. Eines der zwei deutschsprachigen Kampfsportmagazine nennt sich folgerichtig dann auch Budo-Magazin.

Unter Budo wird spezieil das verstanden, was über den sportlichen Aspekt hinausgeht. (7)

Dies wird auch von der Übersetzung des Begriffes Budo, der aus zwei Wörtern besteht, unterstützt.. " Do bedeutet im japanischen Weg. Wie kann man diesen Weg üben. Durch weiche Methode kann man ihn erreichen? Es handelt sich nicht nur darum, eine Technik, ein waza zu erlernen, und noch weit weniger um sportlichen Wettkampf. Budo umfaßt Künste wie kendo, judo, aikido, und kyudo (Bogenschießen). Allerdings - das Schriftzeichen (kanji) bu bedeutet eigentlich: den Kampf anhalten und ihn beenden. Denn im Budo geht es nicht allein um Wettstreit, sondern viel mehr darum, den Frieden und die Meisterschaft über sich selbst zu finden. " (6).

 

Allgemein läßt sich aus der Gesamtheit der Kampfkunstiiteratur erkennen, daß der geistige Aspekt des Budo sich aus der Nähe des Budo zum Zen, und der Beachtung eines strengen Ehrenkodexes ergibt. Einer der populärsten Karatemeister der Gegenwart, Matsutatsu Oyama, schreibt "Zen ist Karate und Karate ist wahres Zen" (9).

 

Der Ehrenkodex ist in den verschiedenen Kampfsystemen unterschiedlich gestaltet. Exemplarisch werde ich hier den Ehrenkodex des Taekwon-Do nach dem Stilbegründer, Choi Hong Hi, erwähnen.

" Ich Verpflichte mich, die Grundsätze des Taekwon-Do einzuhalten. Ich verpflichte mich, meine Trainer und alle Höhergestellten zu achten.

Ich verpflichte mich, Taekwon-Do nie zu mißbrauchen Ich verpflichte mich, mich für Freiheit und Gerechtigkeit einzusetzen

Ich verpflichte mich, bei der Schaffung einer friedlicheren Weit mitzuarbeiten "

Daneben gibt es noch spezielle Regeln für das Verhalten im Do-Jang (Trainingsraum), Regeln für das Verhältnis Lehrer-Schüler, Regein für das Verhalten des Lehrers , Regeln für das Verhalten des Schülers und Kleiderordnung.

 

 

3.1.4.1.Geistiger Aspekt von Kampfkunst der durch die

Verwandschaft zum Zen herrührt

 

 

Zen ist eine aus Japan stammende Form der Meditation im Sitzen. Ziel ist die Auflösung der Gegensätze, das Nichtdenken. Man sitzt mit übereinandergeschlagenen Beinen im halben oder vollen Lotussitz auf einem kleinen Kissen, dem Zafu. Dabei soll man an gar nichts denken. Erst wenn im Kopf kein einziger Gedanke mehr ist, kann man das Geheimnis der Existenz ergründen und eins werden mit dem Universum. Zen soll ohne Absicht geübt werden, dennoch hat man im Westen bestimmte Zielvorstellungen. Zen soll durch die Übung Körper und Geist ruhigstellen, dadurch Konzentrations-, Wahrnehmungs- und Ausdruckskraft steigern, die Fähigkeit zu Gelassenheit und Selbstdisziplin erhöhen und vor allem Vertrauen in die eigene Intuition, in die gefühlsmäßige Wahrnehmung, schaffen. So beurteilt es jedenfalls eine auflagenstarke Tageszeitung (II)

"Zen ist die völlige Einheit des Körpers, der Absichten und des Geistes** (12) "Durch langes üben im Karate habe ich einen Zen-Zustand erreicht" (13) "Gehe hier und jetzt mit aufrichtigem Geist, ehrlichen Absichten und gänzlicher geistiger Einheit einige Karatetechniken durch. Wenn du das tust, wird du aufhören, zwischen Gegner und Verbündetem zu unterscheiden, und Gewinnen oder Verlieren wird ohne Bedeutung sein. Dann wird es dir gelungen sein, einen Zen-Zustand zu erreichen". (14)

Der Zen-Aspekt im Kampfkunsttraining beinhaltet die Ruhigstellung des Geistes, während der Körper agiert. Da im Kampf die Notwendigkeit besteht, auf die Aktion des Gegners blitzschnell zu reagieren, muß in diesem Moment die Einheit von Denken und Handeln gewährleistet sein. Erst Denken und dann Handeln wird den Ansprüchen nicht gerecht. Der Kämpfer, der so agiert, wird diese Kampfesweise nicht an die Nachwelt weitergeben, die natürliche Auslese wird ihn in Form eines gewaltsamen Todes daran hindern.

 

 

3.1.4.2 Geistiger Aspekt von Kampfkunst, der durch den besonderen

Ehrenkodex bestimmt wird

 

Dieser Ehrenkodex macht aus dem Vermit-tlen von Kampftechniken eine Methode der Charkterschulung. Aus diesem Grund werde ich den Ehrenkodex und die sonstigen Regeln des Taekwon-Do exemplarisch für viele andere Budosysteme, die ähnliches fordern, erwähnen.

"Ich verpflichte mich, die Grundsätze des Taekwon-Do einzuhalten" (15) Diese Grundsätze werden natürlich aufgelistet und näher erklärt. (16)

"Die Grundsätze des Taekwon-Do sollen allen ernsthaften Schülern dieser Kunst als Richtschnur dienen.

Höflichkeit. Taekwon-Do Schüler sollen sich zusätzlich zur Etikette in folgenden Punkten üben:

1. Sie sollen den Geist gegenseitiger Zugeständnisse fördern.

2. Sie sollen sich der eigenen Schwächen bewußt sein, ehe sie die Fehler anderer verachten.

3. Sie sollen höflich zueinander sein.

4. Sie sollen den Gerechtigkeitssinn fördern.

5. Sie sollen zwischen Lehrern und Schülern, zwischen erfahrenen und weniger erfahrenen Schülern einen Unterschied machen.

Integrität. Im Taekwon-Do-Sprachgebrauch ist der Begriff der Integrität lockerer definiert als es in Websters Wörterbuch der Fall ist. Er bezeichnet die Fähigkeit, Recht und Unrecht unterscheiden zu können und genügend Gewissen zu haben, sich schuldig zu fühlen, wenn man ein Unrecht begangen hat...

Durchhaltevermögen. Ein Sprichwort aus dem Fernen Osten besagt, daß Geduld zur Tugend bzw zu Verdienst führt. Man kann dadurch ein friedliches Heim schaffen, daß man hundertmai Geduld übt. Ohne

 

Um irgendetwas zu erreichen, sei es eine höhere Stufe (Ein höherer Grad im Taekwon-Do - Anmerkung des Verfassers) oder die Vervollkommnung einer bestimmten Technik, muß man sich ein Ziel setzen und dieses dann mit Beständigkeit anstreben.  . .. Eines der Geheimnisse der Führerschaft auf dem Gebiet des Taekwon-Do besteht darin, jede Schwierigkeit durch Durchhaltevermögen zu überwinden.

 

Selbstdisziplin. Dieser Grundsatz ist von außerordentlicher Bedeutung sowohl innerhalb wie auch außerhalb des Do-Jang (Trainingshalle), ob es nun um Freistilsparring oder persönliche Angelegenheiten geht. Der Verlust der eigenen Kontrolle kann sich beim Freistilsparring verhängnisvoll für den Schüler und seinen Gegner auswirken. Die mangelnde Fähigkeit, im Rahmen des eigenen Könnens bzw. innerhalb der eigenen Grenzen zu leben und zu handeln, ist ebenfalls ein Beweis für fehlende Selbstdisziplin. " (17)

Viele Schüler fühlen sich von so einem Ehrenkodex angezogen, sie empfinden eine Übereinstimmung mit den eigenen Wünschen. Gerade das Bewußtsein, innerhalb des Trainings zur Einhaltung desselben gezwungen zu sein, schafft das Gefühl einer Gemeinschaft, das von manchem außerhalb des Trainings oft schmerzlich vermißt wird.

 

 

3.2 Wie kann ich das Lernziel, die Reflexion von gesundheitspadagisch schädlichen Verhalten erreichen

 

3.2. l Betrachtung von gesundheitspädagogisch schädlichem Verhalten

nach Uexküll

 

Leider kann ich hier auf kein bestimmtes Kapitel verweisen, ich mußte meine Informationen der Schilderung der jeweils einzelnen psychosomatischen Krankheiten entnehmen.

Ich werde versuchen, die Fülle des geschilderten unter einfachen Oberbegriffen zusammenfassen, um für die konkrete Arbeit in meiner Kampfsportschuie brauchbare Hinweise zu erhalten.

Konflikte werden nicht ausgetragen und oder verschoben, (18)

Nichterkennen der Realität, das heißt der Anspruch an sich selbst und die Fähigkeit, diesen Anspruch zu erfüllen, stimmen nicht überein. (19)

Innenlenkung des Menschen wird durch die Außenienkung der Gesellschaft ersetzt. (20)

Mangelnde Kreativität. (21)

Ungenügende Sozialisation. (22)

Ungenügender Umgang mit Frustrationsituationen. (23)

 

 

3.2.2 Betrachtung von gesundheitspadagogisch schädlichem

Verhalten nach eigenem Ermessen

 

Das Leben in der westlichen Industriegeseilschaft stellt einen Dauerkonflikt zwischen den natürlichen Bedürfnissen des Menschen und seinen konkreten Lebenumständen dar. Wir sind für unser Leben nicht geeignet, daß es überhaupt so gut funktioniert ist ein Wunder. Dieser Dauerkonflikt fordert dennoch seine Opfer, typisch dafür sind die sogenannten Zivilisationskrankheiten.

 

Die nun folgende Aufzählung von Einzelfaktoren dieses Konfliktes erhebt natürlich keinen Anspruch auf Vollständigkeit, sie dient nur als Wegweiser.

1. Ungenügende Sozialisation

2. Widersprüche zwischen den Forderungen der Gesellschaft und den Wünschen des Individuums

3. Unfähigkeit, alte Problemlösungsmuster, die sich als untauglich erwiesen haben, zugunsten neuer aufzugeben (=Flexibilität)

4. Mangelnde Kreativität

5. Chronische Überforderung

6. Ausgeprägte Triebunterdrückung

7. Bewegungsmangel

Grundursache ist eigentlich immer ungenügende Sozialisation, d. h. der Heranwachsende wird auf das Leben in unserer Gesellschaft nicht angemessen vorbereitet. Er trifft ständig auf Problemstellungen, für deren adäquate Lösung ihm die Mittel (angemessene Verhaltensweisen) fehlen. Ursache ist die Liberalisierung der Gesellschaft bei ungenügend geänderten Erziehungsmethoden.

Diese Liberalisierung stellt an die Fähigkeit des Einzelnen, für ihn passende Entscheidungen zu treffen, hohe Anforderungen. Wenn bei der Entscheidungsfindung dann die Forderungen der Gesellschaft stärker berücksichtigt werden als die eigenen Wünsche und Fähigkeiten, führt man ein Leben voll Unzufriedenheit und Überforderung. Dieser Konflikt, wenn er verdrängt oder nicht zufriedenstellend gelöst wird, wird dann in den eigenen Körper als Krankheit verlagert.

 

3.2.3 Betrachtung von gesundheitspädagogisch schädlichem Verhalten

für Vagotoniker und Sympathikotoniker

 

Grundlage hierfür ist das Betrachten der Reaktionen der Individuen unter Streß. Falscher Umgang mit Streß oder Dauerstreß (Disstreß) führt auf die Dauer zu psychosomatischen Krankheiten. Dieser falsche Umgang hängt eng mit der Betrachtung der Ursachen psychosomatischer Krankheiten zusammen, die im vorigen Kapitel angestellt wurden. Wesentlich einfacher ist jedoch die Einteilung in Vagotoniker, Sympathikotoniker und Personen mit einer ausgeglichenen Streßreaktion. Streß wird durch Belastungen verursacht, auf die der Körper mit hormoneilen Reaktionen antwortet.

Streß ist ein Überlebensmechnismus des Menschen, der bei Gefahr die körperliche Leistungsfähigkeit anhebt. In einer Region des Zwischenhirns wird Angst signalisiert, über den Sympathikusnerv wird die Nebenniere blitzschnell aktiviert. Die Hormone Adrenalin und Noradrenailn werden vom Nebennierenmark in den Kreislauf ausgeschüttet. Gleichzeitig tritt eine Denkblockade ein, da bei Gefahr keine Zeit zum Nachdenken bleibt und Überlegungen die Reaktion verlangsamen würden. Der Streßmechnismus ist für einfache Gefahren ausgelegt. Flüchten oder Kämpfen, beides erfordert keine Überlegung. In der Hypophyse wird der Botenstoff ACTH ausgeschüttet, der in der Nebenniere Hydrocortison freisetzt. Verdauungsprozesse und Sexualfunktionen werden gehemmt. Die Aterien werden mit Hämoglobin, dem sauerstofftransportierenden Blutbestandteil angereichert, um verstärkte Muskeltätigkeit zu erleichtern. Die Blutgerrinnungsfaktoren steigen, um bei Verletzungen den Blutverlust zu senken. (24)

In unserer Gesellschaft sind diese Prozesse jedoch fehl am Platz. Gefahren werden nicht durch Kämpfen oder Flüchten beseitigt, nur kühles überlegen und planvolles Handeln oder Nichthandeln kann uns bei den Gefahren der heutigen Gesellschaft helfen.

Die Häufigkeit, von Streß leitet, sich davon her, das diese körperliche Anpassung nicht, nur bei körperlicher Gefahr erfolgt., sondern auch durch gedankliche Prozesse eingeleitet, wird, z. B. bei einer vermuteten Gefahr, bei Lärm, vor wichtigen Entscheidungen usw. Dadurch ist unser Körper einer ständigen Streßbelastung ausgesetzt, und die körperlichen Veränderung werden zum Dauerzustand mit pathologischen Folgen,

 

Hier lassen sich fünf verschiedene Hauptfolgen klar unterscheiden.

"So werden die einmal mobilisierten Fettsäuren nach und nach in Cholesterin umgewandelt und direkt in die Gefäßwände eingebaut, was die Ateriosklerose beschleunigt. Zweitens entstehen durch die Verschiebung des Hormonhaushaltes Anomalien des vegetativen Nervensystems. Das bedeutet weitere Kreislaufbelastung und Erhöhung des Infarktrisikos. Drittens regen Unsicherheit und Nervosität über einen ähnlichen hormonellen Mechanismus den Magen zu erhöhter Salzsäureproduktion an und den Darm zu Verkrampfungen. Mit der Zeit können so bei entsprechender Disposition Magen- und Darmgeschwüre auftreten. Viertens wird die natürliche, ausgleichende Sexualität durch Streß reduziert, das Gleichgewicht des Hormonhaushaltes zugunsten bestimmter Hormongruppen verschoben, so daß sekundäre psychische Stressoren wie Frustration bis hin zur Impotenz entstehen. Fünftens dürften die Beziehungen von chronisch einwirkenden Streßfaktoren zu krebsartigen Erkrankungen inzwischen immer weniger einem Zweifei unterliegen. Allein schon dadurch, die diese Streßfaktoren die körpereigenen Immunabwehr drastisch reduzieren. " (25)

 

Welche dieser Folgen dann konkret bei Dauerbelastung eintritt, und eine psychosomatische Krankheit verursacht, ist von der persönlichen Struktur abhängig. Hier lassen sich Vagotoniker und Sympathikotoniker; und Personen mit ausgewogenen Streßverhalten ohne pathologischen Befund unterscheiden.

Sympathikotoniker neigen zu Herzinfarkt, Bluthochdruck, Schäden von Niere und Nebenniere, Aggressionen und temporärer Impotenz. (26)

Vagotoniker neigen zu Depressionen, Schwindelgefühlen, Bronchialasthma, niedrigem Blutdruck, Kollaps, Magen- und Darmleiden und Blasenerkrankungen. (27)

Diese Pathologischen Reaktionen zeigen auch eine Übereinstimmung mit den in der Medizin oft erwähnten Verhaltenstypen A, B, und C.

Verhaltenstyp A stimmt ungefähr mit dem Sympathikotoniker überein, Die charakteristischen Verhaltensweisen und die pathologischen Folgen stimmen auch mit der Beschreibung von Uexküll (Siehe Kapitel 3.2.1) überein.

Verhaltenstyp B ähnelt mehr dem Vagotoniker, auch hier wird bei Uexküll ähnliches geschildert.

 

3.3 Um das Lernziel zu erreichen benutzt man Lernmethoden

Die Lernmethode hängt mit dem Lerninhalt zusammmen. Lerninhalt sind vordergründig in jeder Kampfkunstschule die zu vermittelnden Techniken. Daneben existiert noch ein zweiter Lerninhalt, nämlich die Regeln für den Umgang der Schüler untereinander und für das Verhältnis Lehrer-Schüler. Selbst wenn solche Regeln ausdrücklich nicht erwähnt werden, richten sich Neuankömmlinge nach den gegebenen Verhaltensweisen, so werden Vorschriften und Regein in jedem Falle etabliert, unabhängig davon, ob dies beabsichtigt wird oder nicht.

Da psychosomatische Krankheiten nur wenig Beziehungen zu den Techniken eines Kampfsystems haben, ist der geeignete Ansatzpunkt für gesundheitspädagogische Arbeit der Umgang der Schüler miteinander und mit dem Lehrer. Gefordert wird ein soziales Lernen.

 

Lernmethode und Lernerfolg hängen eng mit der Lernszene zusammen.

 

 

3.3. l Lernmethode für die Wing / Tsun-Technik

Im Wing / Tsun-Unterricht macht der Lehrer von verschiedenen Lehrmethoden Gebrauch, um die zu erlernende Technik dem Schüler nahezubringen. (28) Um jeden optimal anzusprechen, wird ihm die Technik zuerst gezeigt. Dann wird die Technik mit Worten beschrieben, es wird erklärt, warum in dieser Situation genau diese Technik die optimale Lösung darstellt. Dabei wird das geistige Erfassen der Technik unterstützt, indem diese in den Zusammenhang der Kampftheorie gestellt wird, und die Herkunft der Technik aus der Grundform gezeigt wird. Dann soll der Schüler die Technik fühlen, das heißt, er soll sie selbst machen, und er soll unsere Technik fühlen, er soll unseren Arm anfassen.

Sobald die Technik präzise ausgeführt wird, soll der Schüler durch viele Wiederholungen diese neue Information in sich verankern. Im Wing / Tsun wird eine Technik erst dann als erlernt betrachtet, wenn sie in der entsprechenden Kampfsituation als Reflex ausgeführt wird. Ein Kennen der Technik im Kopf hat keinen Wert, denn im Ernstfall ist der Zeitraum, zwischen dem an die Technik denken und sie dann ausführen, zu groß. Sie muß so selbstverständlich ausgeführt werden wie das Bremsen beim Autofahren.

3.3.2 Lernmethode für die soziale Interaktion

Die vorherige Darstellung setzt sich vollkommen unpersönlich mit einer neu zu erlernenden Technik auseinander. Tatsächlich ist die Lernsszene im Wing / Tsun viel komplexer. Da wir unsere Techniken nicht in der Luft, sondern mit einem Partner üben, ist das Erlernen der Technik immer auch eine soziale Aktion, eine sehr intime Auseinandersetzung.

Da sie auf einer unmittelbar körperlichen Ebene abläuft, und ein Partner die Verliererrolle einnimmt, ist Vertrauen in den an sich fremden Trainingspartner unverzichtbare Vorraussetzung. Verliererrolle bedeutet konkret, sich vom Sieger treffen und werfen zu lassen. Da die Rollen immmer wieder getauscht werden, müssen beide das Vertrauen aufbringen können, das die Verliererrolie beeinhaltet. Die Siegerrolle darf das entgegengebrachte Vertrauen nicht enttäuschen.

Für viele Schüler ist dieses Vertrauen in den Anderen eine völlig neue Erfahrung. Daß zwischen Lehrer und Schüler im Kampfkunstunterricht eine ganz besonderes Vertrauensverhältnis . herrscht, ist leicht erklärt. Im Gegensatz zum Schulunterricht, wo Lehrer und Schüler wahllos zusammengeworfen werden und oft kein rechtes Interesse am Lehren wie am Lernen besteht, hat ein Kampfkunstschüler sich selbst ganz konkret für eine Schule und einen Lehrer entschieden. Er ist hochmotiviert etwas zu Erlernen, was unter Umständen lebensrettend sein kann. Der Lehrer hat ganz bewußt entschieden, diesen Schüler anzunehmen und ihm etwas beizubringen. Beide sind bereit, miteinander zu arbeiten, um den Schüler in die Lage zu versetzen, sich selbst wirksam verteidigen zu können.

Da der Lehrer Jedoch mehrere Schüler unterrichtet, ensteht die Situation, daß der Schüler dieses Vertrauensverhältnis nun auf alle anderen Schüler zu übertragen hat. Vertrauen ist in unserer Gesellschaft etwas Ungewohntes, man denke nur an das Sprichwort, "Vertrauen ist gut, Kontrolle besser". Dabei ist Vertrauen etwas sehr Notwendiges, nur wer Vertrauen hat kann seine gespannte Aufmerksamkeit und sein stets wachsames Mißtrauen überführen in eine gesunde Entspannung, die den physiologisch notwendigen Gegenpol zur Anspannung bildet. Hierzu verwiese ich auf mein Kapitel über Streß.

Diese Übertragung stößt nun auf das Problem, daß sie nicht von vornherein vom Schüler beabsichtigt war. Viele Schüler erlernen ein Kampfsystem, um weniger vertrauen zu müssen, aus Angst davor, daß ihr Vertrauen enttäuscht wird. Das klingt etwa so: Ich brauche mich nicht darauf verlassen, daß der andere mir nichts übles will. Jetzt bin ich stark, er kann es ja versuchen und wird dabei scheitern.

 

Schüler mit sehr großem Mißtrauen sind dem Wing / Tsun-System, das ja von der ersten Stunde an mit Partnerübungen arbeitet, abgeneigt. Sie bevorzugen militärischen Massendrill, wo Techniken schwerpunktmäßig in die Luft oder an den Sandsack geschlagen werden. Ihr Vertrauen ist eher anonym, eher an die Technik wie an die Person des Lehrers gebunden. Viele Kampfkunstschulen gerade von japanischem oder koreanischem Gepräge kommen diesen Wünschen entgegen.

Endstufe und letzte Steigerung des Mißtrauens ist das Erlernen von Kampftechniken aus Büchern. Die geradezu unüberschaubare Vielfalt von Büchern über Kampftechniken, in letzter Zeit gibt es auch Lehrvideos, ist ein klares Indiz dafür. Wer konkret eine Kampfkunstschule besucht, erfährt alles Wissenswerte von seinem Lehrer. Wissen aus Büchern wird verachtet, sie können zwar gelesen werden aber Maßstab und Richtschnur ist immer der jeweilige Lehrer.

Hier zeigt sich wieder das auch in ganz anderen Bereichen auftauchende wohlbekannte Problem, daß die wirklich Hilfbedürftigen mit der Hilfe oft nicht erreicht werden, weil sie ihre eigene Not nicht erkennen oder zugeben wollen. Man braucht hier nur an die verschämten Armen zu denken, die für den Gang auf Sozialamt zu stolz oder zu unwissend sind.

 

Bei Schülern im Wing / Tsun-System ist die Bereitschaft, dem Trainingspartner zu vertrauen, prinzipiell gegeben, da bereits beim ersten Probetraining dies gefordert wird.

Das heißt aber nicht, daß in diesem Zusammenhang keine Probleme auftauchen, diese Probleme sind sehr wohl vorhanden, aber die Schüler sind bereit sich diesen zu stellen, und lehnen Partnerübungen in dieser Form nicht von vornherein ab. Partnerübungen können zu schnell oder zu langsam sein, der Partner ist zu sanft, oder zu grob, über den genauen Ablauf der Übung, der Arm oder der Beinstellung oder der Länge des Bewegungsweges - über Alles - sind Auseinandersetzungen möglich und finden auch statt.

Um trotzdem miteinander üben zu können, sind die Schüler darauf angewiesen, sich zu einigen. Es handelt sich also beim Erlernen einer Wing / Tsun-Technik um eine intensive komplexe soziale Interaktion zwischen zwei Gleichrangigen, anhand derer individuelle Interaktionsmuster identifiziert und durch den Einfluß des Lehrers unter Umständen auch modifiziert werden können.

3.4 Rolle des Lehrers und des Schülers in dieser Szene

Obwohl über gruppendynamische Prozesse auch ein Einfluß des Schülers bzw der Schüler auf den Lehrer gegeben ist, läßt sich die Lernszene auch unter dem Aspekt des Führungsstils betrachten. Prinzipiell unterscheiden wir drei Führungsstile. (Die dem zugrundeliegende Definition habe ich der Brockhaus Enzyklopädie, Band 8, S. 25 entnommen).

3. 4. l Laissez faire

Der überliberale Führungsstil, der Pararellen zur antiautoritären Erziehung aufweist, erlaubt den Leuten, das zu tun, was sie wollen. Auf Kampfkunst angewendet bedeutet dies, daß der Lehrer auf Wunsch des Schülers Techniken unterrichtet, und die Schüler diese dann nach eigenem Gusto üben. Für gesundheitspädagogische Arbeit ist dieser Stil nicht geeignet, denn die Leute machen das, was sie wollen. Unter dem Aspekt der Gesundheitsbedrohung durch psychosomatische Krankheiten kann man aber sagen, daß das, was die Einzelnen tun, ihnen nicht gut tut, d. h. eine Änderung des Verhaltens ist gefordert.

Zum Vermitteln von Kamptechniken ist diese Methode ebenfalls nicht geeignet. Zum Ersten ist die Verletzungsgefahr bei unsachgemäßen üben sehr groß, zum Zweiten besteht dann die Möglichkeit, daß die Techniken nur fehlerhaft erlernt werden. Sollte dann einer der Schüler in die Verlegenheit kommen, mit dieser fehlerhaften Technik sich selbst verteidigen zu müssen, wäre es zu spät für ihn, diesen Fehler zu erkennen.

Kampfkunstunterricht wäre dann nichts als bloßer Zeitvertreib.

Denkbar wäre die Anwendung dieses Führungsstil im Einzelunterricht mit einem hochmotiviertem Schüler.

 

Die Erfahrung zeigt auch, daß sich selbst Erwachsene in größerer Zahl beim Kampfkunstunterricht teilweise wieder in die eigene Schulzeit zurückversetzt fühlen. Sie benehmen sich dann wie Kinder, schwätzen, kichern und opponieren gegen den Lehrer. Wird ihnen dies durch liberale Führung erlaubt, so sind sie dann aber nicht zufrieden, wie man vielleicht meinen möchte. Irgenwie empfinden sie selbst diese Situation als unbefriedigend und schieben dann die Schuld auf den Lehrer, der ihnen nichts beibringt.

3.5.2 Autoritär

Der autoritäre Führungsstil wird vom Militär benutzt. Er ist speziell für Zeiten gedacht, in denen eine demokratische Entscheidungsfindung zu lange dauert. Die Leitung wird von einer Person übernommen. Abweichende Meinungen werden nicht geduldet, Ziel ist der Weiterbestand des Ganzen, wofür auch Einzelbestandteile geopfert werden können. Deutliches Beispiel ist das Dritte Reich unter Hitler "Du bist nichts, dein Volk ist Alles".

In autoritären Systemen ist eine Wahl der Gruppenzugehörigkeit und des Leiters nicht möglich. Oft wird das autoritäre System damit begründet, daß die Einzelnen nicht in der Lage seien, selbständig das für sie Beste zu erkennen und zu wählen. Autoritäre Herrschaft durch eine intellektuelle Avantgarde wurde auch im Kommunismus durch die Unreife der Bevölkerungsmehrheit begründet.

Autoritäre Systeme dienen immer einem bestimmten Zweck, der den benutzten Mitteln übergeordnet wird. Das benutze Mittel ist immer Zwang, d. h. Unfreiheit des Einzelnen.

Im Unterricht von Kampfkunst ist autoritäre Führung üblich. Dies leitet sich aus den Erfordernissen ab. Genauso wie in der Schule oder im Studium ist der Schüler gewillt, etwas vom Lehrer zu lernen. Er hat eine Wahl getroffen. In der fernöstlichen Tradition ist nur der autoritäre Führungsstil denkbar. Demokratie ist eine westliche Erfindung, so wie die Kampftechniken wird auch der Führungsstil übernommen.

3.5.3 Demokratisch

Der demokratische Führungsstil beeinhaltet immer auch einen autoritären Aspekt. Sobald auf demokratische Weise eine Mehrheitsentscheidung getroffen wurde, sind die Mitglieder der Gruppe daran gebunden, und es wird autoritär auf die Einhaltung der Entscheidung geachtet. Bestes Beispiel dafür ist die Gurtpflicht. Die demokratisch gewählte Führung erläßt Regein und Gesetze, zu deren Einhaltung der Einzelne verpflichtet ist und nötigenfalls auch gezwungen wird.

Demokratie in der Erwachsenenbildung ist jedoch nicht vergleichbar mit Demokratie in der Regierung. Kennzeichen des demokratischen Führungsstils ist , daß auch kleinere Entscheidungen demokratisch getroffen werden.

Bei Gruppen, die nicht direkt dem überleben dienen, ist die Zeit für eine demokratische Entscheidungsfindung gegeben. Demokratie geht immer von einem positiven Menschenbild aus, d. h. der Einzelne wird grundsätzlich als fähig betrachtet, sein Leben eigenverantwortlich zu gestalten. Bei demokratischen Gruppen ist der Einzelne an allen Entscheidungen verantwortlich mitbeteiligt, er übt die Übernahme von und den Umgang mit Verantwortung.

Dieses üben ist vor allem für junge Erwachsene, die den Hauptanteil an Klientel in Kampfkunstschulen bilden, angebracht. (Siehe auch hierzu die Ursachen psychosomatischen Krankheiten nach Uexküll, Kapitel 3.2.1)

In der Kindheit und Jugend werden fast alle wichtigen Entscheidungen von den Eltern autoritär getroffen. Dann wird plötzlich erwartet, daß man selbst entscheidet. Dies führt oft zu einer Überforderung, da selbst Entscheiden nicht geübt wurde. Hier läßt sich dann eine Erfahrung machen, die in vielen anderen Lebensbereichen wieder auftaucht. Im Gegensatz zum instinktgeleiteten Tier ist der Mensch darauf angewiesen, Verhaltensweisen zu erlernen. Was nicht erlernt ist, wird wahrscheinlich nicht oder falsch gemacht.

Demokratischer Führungsstil gibt den Teilnehmern Gelegenheit, sich selbst zu verwirklichen. Dies auf zweifache Weise. Erstens bei dem Mechanismus der Entscheidungsfindung und zweitens bei der Umsetzung der Entscheidung.

 

3. 5. 4 Konkret realisierter Führungsstil

Für gesundheitspädagogische Arbeit ist der autoritäre Führungsstil ganz klar nicht geeignet. Autoritärer Führungsstil fordert das, was in meinen vorhergehenden Untersuchungen als gesundheitspädagogisch schädlich erkannt wurde. Ich verweise hier auf mein Kapitel 3. 2. 2.

Autoritär bedeutet, daß die Schüler für die Zeit des Unterrichts jede Verantwortung abgeben müssen und fremdgelenkt das tun, was der Lehrer für sinnvoll hält. Der positive Effekt des Kampfkunstunterrichts, der dann noch übrigbleibt, ist allein die körperliche Bewegung und die erlernte Selbstverteidigung. Das ist zwar auch etwas, aber bei vielen Schülern ist das Körpergefühl so wenig entwickelt, daß durch eine rein mechanische Ausführung der Übungen ohne Reflexion des dabei auftretenden Gefühls die Gesundheit leidet.

Da beim autoritären Unterricht die Verdrängung von körperlichen Erscheinungen gefordert ist, und die sportmedizinische Betrachtung mancher Übungen Bedenkliches zu Tage fördert, erscheint selbst unter diesem Aspekt der autoritäre Stil wenig geeignet.

Die Laisez faire Methode ist ebenfalls für gesundheitspädagogische Arbeit nicht geeignet. Da wir davon ausgehen, daß das Verhalten der Schüler unter gesundheitspädagogischen Aspekten einer Reflexion und eventuell auch einer Veränderung bedarf, ist diese formlose Unterrichtsgestaltung nicht geeignet.

Als einzige Methode bleibt jetzt noch der demokratische Führungsstil übrig. Außerdem sind noch Mischformen denkbar. Die erste freie Entscheidung des Schüler liegt immer in der Wahl der Schule und des Lehrers. Damit hat er sich entschieden, die Kampfkunst WT in ihrer konkreten Ausprägung durch den jeweiligen Lehrer zu erlernen. Die einzelnen Techniken, und die Reihenfolge, in der sie erlernt werden, sind damit festgelegt. Auch über die innere Theorie des WT, die sich aus der Sache, der Selbstverteidigung, ergibt, ist eine demokratische Entscheidung nicht möglich. Die Theorie beschreibt Gesetze des Zweikampfes, die von uns erkannt wurden und nicht beliebig austauschbar sind.

 

Für die tatsächliche Art des Umgangs miteinander beim Wing / Tsun, das ja überwiegend in Partnerübungen stattfindet, ist Demokratie nicht der treffende Terminus. Demokratie geht immer von mehr als zwei Personen aus, denn nur dann läßt sich eine Mehrheit finden. Im Wing / Tsun stehen sich jedoch immer zwei Gleichrangige gegenüber, die ihre Entscheidungen individuell aushandeln. Im Wing / Tsun herrscht also die Entscheidungsfindung durch Verhandeln vor.

Verhandein erfordert ein sich einbringen. Sich einbringen ist, ich verweise wieder auf meine vorhergehenden Kapitel (3.2.1 und 3.2.2), gesundheitspädagogisch wertvoll. Hier werden Konflikte konkret ausgetragen, da sie konkret vorhanden sind und auch nicht verlagert werden können. Wir erinnern uns, Verlagerung von Konflikten führt zu psychosomatischen Krankheiten.

Führung durch den Lehrer findet auf einer anderen Ebene statt. Der Lehrer definiert die zu erlernende Technik und greift nur bei Fehlern in den Bewegungsabläufen oder bei Verletzungsgefahr direkt ein. Hier muß aber nicht streng autoritär gearbeitet werden. Da ein gewisser Grundkonsens besteht, genügt ein Hinweis auf die Gefahr, unter Umständen eine Erklärung und ein Appellieren an die Einsichtsfähigkeit der Schüler. Die Kampftechniken des Wing / Tsun sind durchgängig erklärbar und wohlbegründet, so daß auch hier kein Bedarf besteht, diese autoritär durchzusetzen. –

 

3.6 Mögliche Übertragungsmomente, was projezieren die Schüler

auf mich

Aus dem vorher Geschilderten wird erkennbar, daß im Wing / Tsun grundsätzlich kein Bedarf an autoritärer Führung besteht. Als ich mit wenigen Schülern das Unterrichten begann, war die Verwirklichung dieses Führungsstils sehr leicht für mich. Der Umgang der Schüler untereinander wurde stark von mir geprägt, da meine Präsenz zeitlich sehr ausgeprägt war und ich auf jeden Schüler individuell eingehen konnte. Im Zuge das Wachstums meiner Schule und dem Erscheinen von charakterlich anders geprägten Schülern tauchten dann gewisse Probleme auf. Anfänglich war alles geradezu familiär.

Ais es dann mehr und mehr Schüler wurden, zerlief sich das Training etwas, da ich auch die Rahmenbedingungen nur undeutlich festgelegt habe. Teilweise benahmen sich die Schüler wie im Schulunterricht, sie verbreiteten miese Stimmung, schwätzten, mußten zum üben angehalten werden.

 

Am Anfang war es mir nicht möglich, die Ursachen dieses Verhaltens zu erkennen. Der Grundkonsens im Unterricht war manchem nicht so bewußt und bedurfte der deutlichen Nennung, Erklärung und Begründung. Dies habe ich dann nachgeholt. Zur Verdeutlichung möchte ich ihn hier aufführen.

Wir erlernen Kampfkunst, also eine Verhaltensweise, die schwere Verletzungen verhindern soll. Es sollen also Verletzungen im Training durch vorsichtiges üben und kontrolliertes Verhalten verhindert werden. Voraussetzung dafür ist, daß sich jeder an den übungsabiauf hält. Ziel des Trainings ist das Erlernen von Kampftechniken, nicht das wilde Austauschen von Schlägen. Im Wing / Tsun gibt es keinen Platz für Freikampf. Ziel ist es nicht, sich aneinander zu messen, sondern sich im Ernstfall in einer Notwehrsituation zu behaupten.

 

Training ist leider anstrengend, über viele Wiederholungen werden die Techniken in das Unterbewußtsein transportiert. und zu einem Reflex gewandelt. Ein Kennen der Technik im Kopf genügt nicht. Bei Partnerübungen ist eine deutliche Verständigung über die Rollen, wer macht was, notwendig. Je besser die Verständigung, desto freier kann geübt werden.

Der Lehrer beherscht die Techniken des Wing / Tsun. Diese sind nichts abstraktes, sondern optimale Lösungen für im Kampf auftauchende Situationen.

Durch diese deutliche Festlegung war es mir möglich, unbewußte übertragungsmomente zu reduzieren. Manchmal fühlte ich mich wie eine Kindergärtner, und die Schüler hatten nichts im Sinn außer Unfug zu machen.

Übriggeblieben ist eine gewisse Vorbildfunktion, auch für Verhaltensweisen außerhalb des Trainings. Das ist unvermeidbar und muß vom Lehrer, wenn er gesundheitspädagogisch arbeiten will, berücksichtigt und genutzt werden. Beim Umgang mit weiblichen Schülern ist auch eine gewisse erotische Komponente vorhanden. Da der Lehrer seine Aufmerksamkeit zeitweilig ausschließlich jedem einzelnen Schüler und auch jeder einzelnen Schülerin widmet, und die Wing / Tsun-übungen teilweise intensiven Körperkontakt erfordern, ist eine Betonung des sachlichen Charakters des Umgangs Miteinanders gefordert.

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